Deckelung der Interbankenentgelte – Das ändert sich 2016 für Kreditkartenbesitzer

Deckelung der Interbankenentgelte – Das ändert sich 2016 für Kreditkartenbesitzer


Bereits im März 2015 wurde die Deckelung der Interbankenentgelte vom Europäischen Parlament abgesegnet und trat Anfang Dezember 2015 in Kraft. Die Neuregelung betrifft nicht nur Kreditkarten, wie Visa oder MasterCard, sondern auch Debitkarten. Nach Angaben der Europäischen Kommission werden durch diese neue Verordnung versteckte Gebühren für Transaktionen jährlich um sechs Milliarden Euro gesenkt.

Die Deckelung der Interbankenentgelte beabsichtigt mehr Transparenz für den Verbraucher. Bis zu dieser EU-Verordnung wurde die Höhe der Interbankenentgelte dem Kunden nicht offen dargelegt, sondern zwischen Banken und Kreditkarteninstituten vereinbart. Diese Entgelte sind Teil der Disagio-Gebühr, welche Händler bei Kartenzahlung ihrer Kunden an die Bank abgeben müssen. Zahlt ein Kunde bei einem Händler mit einer Karte, so muss die Bank des Händlers der Bank des Kunden ein Interbankenentgelt entrichten. Da diese jedoch die Gebühr nicht auf sich sitzen lässt, zieht sie dem Händler diese Gebühr vom Überweisungsbetrag, den der Kunde an den Händler entrichtete, wieder ab. An der Höhe der Gebühr, die bei vielen Anbietern über 1,5 Prozent lag, hatten Händler keinerlei Einfluss, wodurch sie die Mehrkosten in Form von Preiserhöhungen auf den Kunden abwälzten.

Die Änderungen

Durch die EU-Verordnung zur Deckelung der Interbankenentgelte für Kartenzahlungen werden die bei kartengebundenen Zahlungen anfallenden Gebühren europaweit vereinheitlicht. Dadurch werden sie drastisch gesenkt und einem Neuanstieg wird dank der Deckelung ein Riegel vorgeschoben.

Die neue Verordnung senkt die Gebühren für Transaktionen mit einer Debitkarte (z.B. EC-Karten mit denen bspw. Geld vom Girokonto abgehoben werden kann) auf 0,2 Prozent. Außerdem dürfen Interbankenentgelte für inländische Debitkartenzahlungen den Höchstbetrag von fünf Cent pro Transaktion nicht überschreiten, wenn dies jährlich nicht mehr als 0,2 Prozent der inländischen Debittransaktionen eines Kartenzahlungssystems ausmacht. Für Kreditkartenzahlungen, egal ob mit goldener Kreditkarte oder einer Prepaid-Kreditkarte ohne Schufa, dürfen die Interbankenentgelte nur noch maximal 0,3 Prozent der Transaktionssumme betragen. Bis zuletzt lag das Entgelt im Falle von Kreditkartenzahlungen bei maximal 1,8 Prozent des Überweisungsbetrags. Die Verordnung für Kartenzahlungen gilt für Debit- und Kreditkarten sowohl im In- als auch im europäischen Ausland.

Die Ausnahmen

Von dieser Verordnung nicht betroffen sind Karten der Anbieter AMEX (American Express) und Diners, da diese nicht nach dem Vier-Parteien-System (wie von Visa und MasterCard), sondern nach einem Drei-Parteien-Prinzip funktionieren. Beim Konzept mit drei Parteien wird die Kreditkarte vom Institut selbst ausgegeben, wodurch gar keine weitere Bank an einer Transaktion beteiligt ist, an welche eine zusätzliche Gebühr entrichtet werden müsste.

Deckelung der Interbankenentgelte – Das ändert sich 2016 für Kreditkartenbesitzer

Die Auswirkungen

Die Deckelung der Interbankenentgelte ist prinzipiell eine sehr sinnvolle und somit gute Verordnung des Europäischen Parlaments, schließlich sorgt sie für mehr Transparenz im undurchsichtigen Kreditkarten-Dschungel. Ob die erwarteten, oder besser gesagt erhofften, Preisnachlässe jedoch wirklich beim Verbraucher ankommen, bleibt abzuwarten. Durchaus möglich ist, dass Händler ihre Preise geringfügig senken, die Kreditinstitute sich aber an anderer Stelle die kolportiert ausbleibenden sechs Milliarden Euro zurückholen werden. Sie profitierten von dem Interbankenentgelt und aufgrund der stark reduzierten Maximalgebühren ist es durchaus denkbar, dass Kreditinstitute ihre bisher kostenlosen Service- oder Produktleistungen in Zukunft nur noch kostenpflichtig anbieten oder die Jahresgebühren für ihre Kreditkarten anheben werden. Daher könnten dauerhaft kostenlose Kreditkarten, wie etwa die Barclays New Visa, zukünftig zu einer echten Rarität werden und Kreditkartenvergleiche Hochkonjunktur haben.

Allerdings wird die Deckelung auch positive Effekte auf den Markt haben. Die Ausweitung bargeld- und kontaktloser Zahlungen schreitet immer weiter voran. Da solche Transaktionen für Händler und Verbraucher nicht mehr mit hohen Kosten verbunden sind, lassen sie sich aufgrund ihrer neugewonnen Attraktivität leichter auf dem Markt integrieren und die Akzeptanz kartengebundenere Zahlungen könnte so auch in den kleineren Lokalen und Einkaufläden Deutschlands rapide ansteigen. Einzelhändlern steht es nämlich nun frei, ob sie alle Karten akzeptieren, oder nur diejenigen Karten annehmen, für die eine Gebührenobergrenze besteht. Zwar schränkt die Auswahl der Zahlungsmöglichkeiten etwas ein, aber sowohl der Händler als auch der Verbraucher können so Gebühren sparen.



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